Diese Nacht

Diese Nacht Karin Rick

Sex wird immer wollüstiger und inniger mit ihr. Wenn sie wie gestern Abend die schwarze Hose aus glattem, feinem, seidigen Nappaleder trägt, und ein hellblaues Nadelstreifhemd verkörpert sie ein Neben- und Durcheinander von lederbekleideter Mächtigkeit und weiblicher Hingabe – eine explosive Mischung. Kaum zu Hause angekommen beginnen wir einander immer gieriger anzufassen. Ich liege in ihren Armen, sie beginnt, mir den Rock hochzuschieben, und langsam unter den Slip zu fahren, während wir einander küssen, und ich spüre, wie sich in ihr die Geilheit ausdehnt, wie dieses mich im Arm halten, mich an der Möse berühren sie scharf macht, wie sie immer mehr davon erfasst wird, nicht mehr zurück kann, mich unbedingt haben will, alles an mir, mein Inneres, meine Schleimhäute, meine Schamlippen, meine Scheide, meine Scheidenwände, meine Klitoris, meinen Mund, das Innere meines Mundes, meinen Hals, meine Wangen, meinen Hintern meine Schenkel – das alles will sie für sich nehmen und befriedigen, meine Lust, mein Aufstöhnen, mein Losbrechen im Höhepunkt.

Wenn ich dieses Verlangen nach mir langsam in ihr hochkochen spüre, dann beginne ich wie auf einer Welle dahin zu treiben, dann bin ich in meinen Fantasien verschwunden und jedes Streicheln, jeder Biss von ihr, jeder Schlag ihrer langen großen Zunge treibt mich weiter, wie in einen dunklen, warmen Strom hinein, bis ich an ihr zerberste und von ihr gehalten und geschützt werde.

Vor dem Spiegel schnalle ich mir dann den Schwanz um. Stay-ups trage ich und das schwarze Top mit dem Tigerkragen und so gehe ich auf sie zu. Sie schaut mich an, erwartungsvoll hingegeben, wach und begreifend, ich stelle mich breitbeinig über sie und lasse sie den Schwanz berühren und dann daran lutschen. Dann zieht sie mich zwischen ihre gespreizten Beine und ich brauche nur nachzugeben, nur auf das zu antworten, was sie mir vorgibt. Ich brauche nur in sie hineinzuhören, und darauf zu reagieren, wie ihr Becken sich mir entgegenreckt, ich brauche nur ihrem Stöhnen und Aufheulen nach zu gehen und tiefer hinein zu stoßen, und dann spüren wie sie sich ekstatisch zu mir schiebt, wie sie sich mir und dem Schwanz in ihr hingibt, wie sie mich umklammert und an sich presst, ihre Beine um mich schlingt. Ich brauche nur in ihr Gesicht zu sehen wie sie sich in ihrer Lust verliert, verausgabt und alles geschieht von selbst. Hinhören, Hinspüren, mich gehen lassen in ihrer Lust, ihre Lust anstacheln, geschmeidig, schmiegend, mich schmiegend und vorsichtig und langsam und nachhaltig in sie hineinzustoßen, mit den Hüften ondulierend nachzuschieben. Es hat mich erfasst, ich bin nur noch dieses Gleiten und das Hineinfallen in ihre Ekstase. Es ist ein Trip, eine Halluzination von uns beiden gleichzeitig, ein Dialog unserer Körper, ein Eintauchen in sie, in ihre Weiblichkeit, in ihr sich auflösendes Wesen. Und dann kommt sie – dramatisch – und diese Reise ist zu Ende. Wir liegen im warmen, roten Lichternetz einer Kristalllampe und können es nicht fassen.

Und immer wieder küssen wir einander und schauen einander an. Ich sage, wenn du mich einmal nicht mehr so anschauen würdest, dann wäre das wie der Tod.
Ja, antwortet sie, für mich auch.

Erschienen in: KKB XXXIII, Mein heimliches Auge, Jahrbuch der Erotik, 2018

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